Pflanzen durch Stecklinge vermehren: So einfach geht Pflanzenvermehrung

Einige der besten Pflanzen, die man je anbauen wird, sind kostenlos – und der beste Weg, an kostenlose Exemplare zu kommen, ist, Pflanzen aus Stecklingen von bewährten Sorten zu ziehen. Wenn du eine Lieblingspflanze hast, lässt sie sich oft ganz leicht vermehren und du kannst dir ein Duplikat für deine Sammlung schaffen.

Natürlich kann man Pflanzen auch aus Samen ziehen, aber es gibt noch andere Methoden der Vermehrung. Dazu gehören Stammstecklinge, Wurzelstecklinge und das Abmoosen. Welche Methode man anwendet, hängt von der Pflanzenart ab – manchmal braucht man auch ein Bewurzelungshormon.

Viele gängige Pflanzen lassen sich aus einem Blatt oder einem Stängel vermehren. Stecklinge können im Wasser, in einem substratfreien Medium, mithilfe eines Bewurzelungshormons oder direkt auf der Erdoberfläche bewurzelt werden. Je nach Pflanzenart funktioniert jede dieser Methoden schnell und unkompliziert.

Weichholz- vs. Hartholzstecklinge: Die richtige Wahl bei der Pflanzenvermehrung

Im Allgemeinen sind Weichholzstecklinge das beste Material, um laubabwerfende Pflanzen zu bewurzeln. Dabei handelt es sich um das noch biegsame Neuwachstum von Pflanzen mit verholztem Stängel. Solche Stecklinge sollten im zeitigen Frühjahr entnommen werden, wenn die Pflanze gerade neu austreibt. Die Stecklinge sollten weich und biegsam sein und vor der Verholzung des Stängels geschnitten werden.

Hartholzstecklinge stammen von ausgereiften, nicht mehr biegsamen Trieben. Bestimmte Obstsorten wurzeln am besten aus diesem älteren Holz, das im Herbst nach dem Laubfall geschnitten wird. Die Hauptarten der Hartholzstecklinge sind gerade, Keil- und Fersenschnitt, wobei der gerade Schnitt am häufigsten verwendet wird.

So nimmt man Stecklinge richtig

Es gibt allgemeine Regeln dafür, wie man einen Steckling bewurzelt – allerdings variiert das je nach Pflanzenart. Stecklinge tropischer Zimmerpflanzen werden oft einfach unten entblättert und in Wasser gestellt. Verholztere Pflanzenarten brauchen hingegen andere Methoden. Es ist hilfreich, im Voraus zu wissen, welche Bewurzelungstechnik für deine Pflanze am besten geeignet ist. Falls du unsicher bist, probiere einfach mehrere Methoden aus, um herauszufinden, was funktioniert. Hier sind die grundlegenden Schritte, um gute Stammstecklinge zu gewinnen:

  • Verwende scharfe, saubere Werkzeuge.
    Desinfiziere Schere oder Gartenschere vor dem Schnitt, um zu verhindern, dass Krankheitserreger auf die Mutterpflanze oder den Steckling übergehen. Saubere Schnitte erhöhen die Erfolgschancen deutlich. Auch der Steckling selbst sollte gesund sowie frei von Schädlingen und Krankheiten sein.
  • Schneide oberhalb eines Wachstumsknotens.
    Dort entstehen oft die ersten Wurzeln. Jede Pflanzenart ist anders, aber im Durchschnitt sollte ein Steckling mindestens 10 cm und höchstens 15 cm lang sein.
  • Sorge dafür, dass die Mutterpflanze gut gewässert ist.
    Die Stängel sollten gut mit Feuchtigkeit versorgt sein. Die Zellen im Gewebe benötigen diese Feuchtigkeit, um sich zu verbinden und ein Wurzelsystem zu bilden. Der Steckling darf aber nicht dauerhaft nass bleiben, da er sonst fault. Vertrocknetes Gewebe kann hingegen keine gesunden Wurzeln bilden.
  • Weichholzstecklinge nimmt man im Frühjahr, Hartholzstecklinge im Herbst.

So lässt man Stecklinge wurzeln

Viele Weichholzstecklinge bilden ganz einfach Wurzeln in Leitungswasser. Bei empfindlichen Pflanzen ist entchlortes Wasser die bessere Wahl. Für diese Methode ist kein Bewurzelungshormon nötig. Andere Pflanzen hingegen bevorzugen ein spezielles Substrat, müssen vor dem Einpflanzen erst antrocknen oder brauchen ein Bewurzelungshormon, um das nötige Wachstum anzuregen.

1. Stecklinge im Wasser bewurzeln

Pflanzen in Wasser zu bewurzeln ist mit Abstand die einfachste Methode der Vermehrung. Viele gängige Zimmerpflanzen lassen sich auf diese Weise problemlos ziehen. Im zeitigen Frühjahr schneidest du Stecklinge von neuem Pflanzenmaterial, das in dieser Saison gewachsen ist. Dabei kann es sich um krautiges oder weiches Holz handeln. Setze den Schnitt direkt unterhalb eines Knotens oder an der Stelle an, wo Blätter oder Knospen am Stängel sitzen.

Entferne alle Blüten, Früchte oder Blütenknospen. Entferne außerdem etwa die Hälfte der unteren Blätter. Stelle das abgeschnittene Ende in so viel Wasser, dass der Schnitt gerade bedeckt ist. Wechsle das Wasser regelmäßig, damit sich keine Krankheitserreger entwickeln. Sobald der Steckling Wurzeln gebildet hat, kannst du ihn in das passende Substrat einpflanzen.

2. Stecklinge in Erde bewurzeln

Um Stecklinge in Erde zu bewurzeln, gehst du ähnlich vor wie bei der Wasserbewurzelung. Einige Pflanzen profitieren davon, wenn man das abgeschnittene Ende in ein Bewurzelungshormon taucht – das gilt besonders für verholztere Arten. Überschüssiges Pulver solltest du abschütteln.

Stich mit einem Bleistift ein Loch in das vorbefeuchtete Substrat und stecke das Schnittende des Stecklings hinein. Die Zusammensetzung des Mediums kann variieren, aber eine Mischung aus gleichen Teilen Perlit und Torfmoos eignet sich für die meisten Pflanzen sehr gut. Drücke das Substrat vorsichtig um den Steckling herum fest. Sollten Blätter das Medium berühren, kürze sie etwas ein. Stelle den Behälter in einen durchsichtigen Beutel und platziere ihn an einem warmen Ort mit indirektem Licht.

Kontrolliere alle paar Tage das Substrat und gieße es bei Bedarf, damit es gleichmäßig feucht bleibt. Wenn sich Kondenswasser im Beutel bildet, nimm ihn kurz ab und lasse ihn trocknen. Es sollte sich kein stehendes Wasser im Beutel sammeln. Nach einigen Wochen oder Monaten – je nach Pflanzenart – sollten sich Wurzeln bilden. Dann kannst du die neue Pflanze in einen endgültigen Topf umsetzen.

So pflanzt man bewurzelte Stecklinge

Frisch bewurzelte Stecklinge müssen mit Vorsicht behandelt werden. Pflanze sie nicht, wenn sie gestresst sind – also etwa, wenn sie ausgetrocknet sind oder es zu heiß ist. Der beste Zeitpunkt zum Umpflanzen ist am Morgen oder Abend, wenn die Temperaturen kühler sind und das Licht nicht zu intensiv ist.

Verwende immer dasselbe Substrat, in dem auch die Mutterpflanze gewachsen ist. Neue Pflanzen, die später ins Beet sollen, sollten nicht sofort ins Freiland gesetzt werden. Ziehe sie zunächst für ein Jahr in einem ausreichend großen Topf, bevor du sie dauerhaft in den Garten pflanzt.

Top-Tipps für erfolgreiche Pflanzenvermehrung

  • Gesunde Pflanzen sind entscheidend für den Erfolg bei der Stecklingsvermehrung. Der Zeitpunkt im Jahr ist wichtig – aber auch die Tageszeit. Schneide Stecklinge morgens oder abends, wenn die Pflanze am wenigsten gestresst ist.
  • Achte darauf, dass die Mutterpflanze nicht trocken, krank oder befallen ist. Lass genug Blätter am Steckling, damit er weiterhin Photosynthese betreiben kann.
  • Bei Wasserbewurzelung sollte das Wasser alle paar Tage gewechselt werden. Stecklinge in Plastikbeuteln brauchen gelegentlich frische Luft. Bei Erde: Staunässe vermeiden!
  • Wenn du Bewurzelungshormon verwendest, lagere es kühl und dunkel. Vermeide nährstoffreiche Substrate wie Kompost. Verwende stattdessen eine sterile, gut durchlässige, nährstoffarme Mischung.

Häufig gestellte Fragen

Sollte ich ein Bewurzelungshormon verwenden?

Ein Bewurzelungshormon ist nicht bei jeder Pflanze notwendig, kann aber die Chance auf Wurzelbildung erhöhen und den Prozess beschleunigen. Diese Mittel enthalten das Pflanzenhormon Auxin, das das Wachstum der Wurzelzellen anregt. Außerdem enthalten sie eine Substanz, die Fäulnis verhindert.

Viele Gärtner schwören auf eine selbstgemachte Wurzelbehandlung mit Honig. Einfach das Schnittende in Honig tauchen – das kann ähnliche Ergebnisse bringen. Auch Aloe-Vera-Gel oder Zimtpulver sind bewährte Alternativen zu handelsüblichem Bewurzelungspulver.

Sollte ich meine Stecklinge abdecken?

Das Abdecken von Stecklingen bringt einige Vorteile mit sich: Es schützt vor Wind und Zugluft, hält die Erde feucht, verhindert das Eindringen von Insekten und Krankheitserregern und wirkt wie ein kleines Gewächshaus, indem es Behälter und Substrat erwärmt. Zwar ist das nicht bei allen Pflanzen zwingend nötig, doch kann das Abdecken den Wurzelbildungsprozess beschleunigen.

Eine durchsichtige Plastiktüte ist eine Möglichkeit, aber auch ein sauberer, leerer Milchkarton mit ausgeschnittener Unterseite funktioniert gut. Glasglocken eignen sich ebenfalls hervorragend. Wichtig ist, dass sich im Inneren keine überschüssige Feuchtigkeit staut. Sobald das neue Pflänzchen Wurzeln gebildet hat, kann die Abdeckung nach und nach entfernt werden – so gewöhnt es sich an die Umgebungsbedingungen, bevor es umgesetzt wird.

anna
anna

Ich habe meine Leidenschaft für den Garten schon früh entdeckt und liebe es, kreative Projekte im Grünen umzusetzen. Besonders gerne probiere ich neue Ideen aus, die den Garten schöner und praktischer machen. Mit meinen Beiträgen möchte ich Inspiration und einfache Tipps geben, die jeder sofort nutzen kann.

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